Blick auf Bäume und Berge unter wolkenverhangenem Himmel im Sauerland

23.03.2021

Tourismusbranche zwiegespalten nach Bund-Länder-Beschluss

Reaktionen zwischen Enttäuschung und Erleichterung

Autor: Tonia Haag

Nach dem neuesten Bund-Länder-Beschluss zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie fallen die Reaktionen in der Tourismusbranche unterschiedlich aus. Während im Deutschlandtourismus Ernüchterung vorherrscht, reagierte der Deutsche Reiseverband, der unter anderem Reiseveranstalter und Reisebüros vertritt, erleichtert.

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) nannte die Beschlüsse „absolut enttäuschend“. DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz monierte, ein strategischer Ansatz für den Deutschlandtourismus sei weiterhin nicht erkennbar. Zudem bringe die Tourismusbranche seit Beginn der Pandemie durch lange Schließungen und weitere Einschränkungen ein Sonderopfer für die gesamte Gesellschaft, ohne dafür entschädigt zu werden. Die bisherigen staatlichen Hilfen funktionierten weder schnell noch unbürokratisch. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand.

Ähnlich äußerte sich Präsident der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Guido Zöllick. Er sagte, im Gastgewerbe wüchsen nach den neuen Beschlüssen Verzweiflung und Zukunftsängste. Mehr als 70 Prozent der Betriebe bangten um ihre Existenz. Schnelle finanzielle Entschädigungen für die vom Staat verursachten Versäumnisse seien jetzt das Mindeste. Noch vor Ostern müsse es Konkretisierungen zu dem im Beschluss genannten „ergänzenden Hilfsinstrument“ geben, das die Bundesregierung für Unternehmen entwickeln will, die wegen der Corona-Pandemie besonders schwer und über lange Zeit von Schließungen betroffen sind. Spätestens am 12. April, beim nächsten Bund-Länder-Treffen, müsse zudem ein konkreter Öffnungsfahrplan für die Branche vorgelegt werden.

Auch der Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Rabe, zeigte sich ernüchtert angesichts der weiter fehlenden Öffnungsperspektive. Die Fortschreibung des touristischen Lockdowns und die weiterhin negative Positionierung der Politik zum Thema Reisen seien mehr als unbefriedigend. Zugleich kritisierte er ein unzureichendes politisches Pandemie-Management. Mit Blick auf weitere Hilfen sagte Rabe, man erwarte, dass 100 Prozent der Fixkosten erstattet würden und ein Unternehmerlohn vorgesehen werde.

Deutlich zufriedener mit den Bund-Länder-Beschlüssen äußerte sich der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, der sich erleichtert darüber zeigte, dass Bund und Länder keine Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Nicht-Risiko-Gebieten beschlossen hatten. Dies sei zu begrüßen, sagt er im ZDF. In einer Pressemitteilung betonte er jedoch, dass die Branche Situation Entschädigungen brauche, da das Geschäft nur schwer hochgefahren werden könne, solange Reisen weiterhin nur schwer möglich seien.

Bund und Länder hatten bei ihrem Treffen erneut keine Perspektive insbesondere für den Deutschlandtourismus aufgezeigt und die Menschen gleichzeitig dazu aufgerufen, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Gleichzeitig kündigte die Bundesregierung Änderung des Infektionsschutzgesetzes an, wodurch wegen der Pandemie eine generelle Testpflicht vor Abflug zur Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland vorgeschrieben werden soll.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte nach dem Treffen an, die Beschlüsse eins zu eins in Nordrhein-Westfalen übernehmen zu wollen. Zugleich kritisierte er den weiter möglichen Urlaub auf Mallorca und sprach von einer Ungleichbehandlung mit deutschen Tourismusorten.

Das gesamte DTV-Statement: www.deutschertourismusverband.de

Das gesamte Dehoga-Statement: www.dehoga-bundesverband.de

Die gesamte BTW-Pressemitteilung: www.btw.de

Die gesamte DRV-Pressemitteilung: www.drv.de

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