Round Table Incoming

Wissensaustausch und -transfer im Auslandsmarketing des Tourismus NRW e.V.

Round Table Incoming

Wissensaustausch und -transfer im Auslandsmarketing des Tourismus NRW e.V.

Mit den 2020 ins Leben gerufenen Round Tables möchte Tourismus NRW den Wissensaustausch und –transfer innerhalb unterschiedlicher Teilbranchen des Tourismus voranbringen und die Vernetzung fördern. Insgesamt gibt es vier unterschiedliche Round Tables: einen zum Thema Kulturtourismus, einen weiteren zum Thema MICE, einen dritten zu den Themen Naturtourismus, Outdoor und Wellbeing sowie einen vierten zum Thema Incoming. Jede der Runden findet etwa zweimal jährlich auf Einladung der zuständigen Themenmanager bzw. Themenverantwortlichen des Tourismus NRW statt. Teilnehmer sind Vertreter aus Städten, Regionen und Fachverbänden sowie inhaltlich passende Verbandsmitglieder und Akteure verwandter Branchen.

 

Niederländer als Zielgruppe erreichen

Die Corona-Pandemie sorgt in vielen Betrieben für einbrechende Übernachtungs- und Besucherzahlen. Die schnellste Erholung wird auf Nahmärkten erwartet, im Incoming also unter anderem auf dem niederländischen Quellmarkt. Hier war die Nachfrage nach Urlaub in Deutschland gemessen am Suchvolumen im Sommer 2020 etwa doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Um seine Partner bei der Ansprache niederländischer Gäste zu unterstützen, hat Tourismus NRW am 28. Oktober gemeinsam mit der niederländischen Marketing-Agentur Red Online Marketing eine kostenlose Online-Schulung für Interessierte angeboten.

Die wichtigsten Erkenntnisse daraus:

  • Ferien liegen anders.

In den Niederlanden gibt es andere Ferien als in Deutschland. So haben die Niederländer keine Osterferien, aber Ende Februar eine Woche „Krokusvakantie“ und Anfang Mai eine Woche „Meivakantie“.

  • Kurztrips sind beliebt.

Lange Wochenenden werden gerne für Kurztrips in benachbarte Länder genutzt. Alle niederländischen Feiertage liegen dabei in der ersten Jahreshälfte.

  • Ohne digitale Angebote geht’s nicht.

Beim Thema Technik sind Niederländer sehr fortschrittlich. Die beste Ansprache erfolgt hier also Online oder über Social Media und nicht über Broschüren. Auch gebucht wird meist online und individuell. Unterkünften empfiehlt sich die Nutzung von Google Hotel Ads, um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Websites sollten zudem responsiv gestaltet werden, da Niederländer sie meist über ihr Smartphone aufrufen. Facebook ist in den Niederlanden eher unter älteren Nutzern verbreitet. Bei Jüngeren ist Tik Tok gemessen an der Nutzerzahl beliebter als Instagram. Auch beim Thema Bezahlung setzen Niederländer gerne auf Technik, daher sollten Online-Zahlungsmethoden wie Kreditkartenzahlung oder Zahlungen per iDeal oder gegebenenfalls auch Möglichkeiten für Mobile Payment, also Bezahlen per Handy, implementiert werden.

  • Nicht alle Niederländer sprechen Deutsch.
    Deutsch ist in Schulen keine Pflichtsprache mehr. Wenn keine niederländische Ansprache möglich ist, sollte zumindest ein englisches Angebot bestehen. Webseiten oder Publikationen sollten im Idealfall direkt auf Niederländisch (oder Englisch) getextet und nicht nur einfach übersetzt werden, denn Niederländer reisen oft mit anderen Absichten als Deutsche, sodass auch die Ansprache anders erfolgen sollte.
  • Mit Wanderangeboten lässt es sich punkten.

Wandern ist ein großes Trendthema in den Niederlanden. Dabei geht es jedoch nicht nur um langes Laufen, sondern auch um Spaziergänge.

  • Regionale und besondere Erlebnisse sind gefragt.

Niederländer wollen im Urlaub gerne das besondere Gefühl beziehungsweise die Atmosphäre der von ihnen besuchten Region erleben. Sie legen viel Wert auf Gemütlichkeit, Unterhaltung und Interaktion.

Auslandsmarketing in Corona-Zeiten: Was möglich ist

Das Thema Corona beschäftigt das Auslandsmarketing noch einmal in einem besonderen Maße, da Reisen aus verschiedenen Märkten stark eingeschränkt oder sogar unmöglich geworden sind – und das im schlechtesten Fall auf Jahre hinaus. Daher hat sich auch der erste Round Table Incoming des Tourismus NRW am 10.09.2020 mit der Corona-Krise und ihren Auswirkungen auf das Incoming sowie das Marketing beschäftigt.

Einige Erkenntnisse für die praktische Arbeit:

  • Eine vollständige Erholung des Incoming Tourismus ist nach einem Gutachten von Tourism Economics im Auftrag der DZT frühestens 2023 zu erwarten. (Update: Eine aktualisierte Fassung des Gutachtens spricht sogar von 2024).
  • Die Nahmärkte Belgien, Schweiz, Niederlande und Österreich zählen zu den TOP-5-Recovery-Märkten, in denen der schnellste Wiederanstieg der Gästezahlen erwartet wird.
  • Marktbearbeitungsstrategien müssen flexibel an die aktuelle Situationen angepasst  werden, das heißt, dass geplante Maßnahmen immer auch auf ihren Sinn in der aktuellen Situation hinterfragt werden sollten.
  • Die Kommunikation mit B2B-Kontakten wie Reiseveranstaltern sollte fortgeführt werden, um beim Wiederanziehen des Incomings von den Kontakten profitieren zu können. Möglich sind hier beispielsweise Produktschulungen.
  • B2C-Kommunikation sollte dort, wo es möglich ist, ebenfalls fortgesetzt werden, um durch inspirierenden Reisecontent auch während der Krise in den Köpfen der Menschen zu bleiben und ein generelles Besucherinteresse wachzuhalten. Voraussetzung ist jedoch eine konstante Beobachtung der aktuellen Situation und eine darauf abgestimmte, sensible Kommunikation.