Frau mit Fernglass

05.08.2016

Tourismusbranche kritisiert geplante Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie

DTV sieht große Risiken für Tourismusorganisationen

Autor: Tonia Haag

Die Pläne des Bundesjustizministeriums zur Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in Deutschland stoßen in der Tourismuswirtschaft auf Kritik. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) sieht zusätzliche Belastungen, erheblich höhere Haftungsrisiken und Rechtsunsicherheiten auf den öffentlichen Tourismus zukommen.

Obwohl die Bundesregierung signalisiert habe, die Belange der Branche zu berücksichtigen, seien vorhandene Spielräume nicht genutzt worden, kritisierte der Verband. Im Gegenteil liefen kommunale, regionale und Landestourismusorganisationen, die dem Gast mehrere Einzelleistungen wie Übernachtungen, Stadtführungen und Fahrradverleih gebündelt anböten, Gefahr, versehentlich in die Reiseveranstalterhaftung zu geraten.

Sollte es beim derzeitigen Referentenentwurf bleiben, müssten Einzelleistungen bei Tourismusorganisationen künftig einzeln ausgewählt, in einem separaten Vorgang gebucht und einzeln mit den Kunden abgerechnet werden, erläuterte der DTV. Andernfalls würden Tourismusorganisationen beim Zusammenstellen einzelner Reiseleistungen zum Reiseveranstalter und seien dementsprechend in der Haftung. Gerade für kleine Tourismusorganisationen seien die mit den Plänen verbundenen finanziellen und bürokratischen Belastungen nicht zu stemmen.

Auch andere Verbände wie der Internationale Bustouristik Verband (RDA) oder der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisierten den Referentenentwurf. Der DRV bemängelte insbesondere, dass Kleine künftig für Große haften sollten.

Das deutsche Gesetz soll noch vor der Bundestagswahl 2017 beschlossen werden, denn die Mitgliedstaaten der EU müssen die Richtlinie bis zum 1. Januar 2018 in nationales Recht umsetzen und ab dem 1. Juli 2018 anwenden.

Die gesamte Stellungnahme des DTV findet sich auf der Internetseite des Verbands unter www.deutschertourismusverband.de. Der DRV hat sein Positionspapier ebenfalls im Internet unter www.drv.de eingestellt, ebenso der RDA unter www.rda.de. Der Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums ist auf der Ministeriumsseite unter www.bmjv.de zu finden.

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